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Kuppelgrab (tholos tomb) Kamilari

Die Grabstätte in Kamilari ist die größte und best-erhaltendste von drei Kuppelgräbern, die in der Gegend hier gefunden wurde, als eine Italienische Schule Ende der 1950er Jahre Ausgrabungen vornahm.

Es liegt auf einem niedrigen Hügel in der Nähe des Meeres und 1,9 Kilometer südwestlich von Agia Triada und damit auch ganz in der Nähe des Palastes von Phaistos. Der Durchmesser im Inneren des Grabes ist 7,65 Meter und die Wände stehen an manchen Stellen noch heute bis zu einer Höhe von zwei Metern. Die Grabstätte verfügt über einen großen Eingang mit großem Deckstein, der ebenfalls gut erhalten ist.
Östlich des Grabes befindet sich ein Anbau mit fünf Räumen.

Der erste Raum, der den Eingang umschließt, diente als Vorraum und war durch einen kurzen Korridor mit zwei anderen Räumen verbunden. In Richtung Süden befanden sich zwei weitere, separate Räume und Unterstände, die gegen den Felsen gebaut wurden. Nördlich der fünf Räume des Anbaus befand sich eine gepflasterte Fläche, die von den Italienischen Ausgräbern als „recinto delle offerte“ bezeichnet wurde. Der Anbau wurde wahrscheinlich bald nach dem Bau des Grabes hinzugefügt, da alle drei Bereiche – das Tholos-Grab, der Anbau und der offene Bereich – große Mengen an Keramik enthielten.

Der ursprüngliche Bagger erwähnte Fund 500 Vasen verschiedener Art und 500 konische Tassen im Inneren des Grabkomplexes. Jüngste Arbeiten zur Rekonstruktion von Keramikfragmenten aus dem Grab haben diese Gesamtzahl jedoch auf2500 erhöht, von denen 800 konische Becher waren. Auf diesen Tassen wurden vier grundsätzliche Deko-Stile verwendet. Diese findet man auch auf den gefundenen Bechern, sodass es scheint, dass die Tassen und Krüge Sets bildeten.

Eine große Anzahl der Tassen und viele der Steinvasen wurden außerhalb der Grabstätte gefunden. Alle von ihnen standen umgekehrt. Es scheint ziemlich eindeutig, dass diese Tassen einst in einem Trankopfer-Ritual verwendet wurden.

Vermutlich hat eine kleine Anzahl enger Verwandter der Toten aus diesen Tassen getrunken, bevor sie sie dann umgekehrt aufstellten. Branigan, der eine großangelegte Studie zu den Kuppelgräbern in der Messara Region in Südkreta geführt hat, hat geschlussfolgert, dass etwa 400 bis 500 Menschen über die Jahrhunderte hinweg in der Kamilari Grabstätte begraben wurden.

Basierend auf diesen Erkenntnissen und ihrer Lage innerhalb des Komplexes geht die Wissenschaft aktuell davon aus, dass die Kuppelgrabstätte die Hauptstätte für Beerdigungen war, während die Räume Beta und Delta im Anbau zweitrangig für Begrabungen genutzt wurden. Einige der Räume und der verbindende Korridor wurden als Lagerungsstätte für Ritual-Equipment genutzt.

Wer wurde hier begraben?

Obwohl früher angenommen wurde, dass sie mit dem Palast von Phaistos, verbunden waren, scheint es jetzt wahrscheinlich, dass die Gräber von Kamilari von einer Siedlung in der Umgebung genutzt wurden. Anders als bei einigen anderen Grabstätten in der Messara-Region, gab es keine Bewegung von kommunalen Beerdigungen zu Beerdigungen in Pithos oder Larnax. Genauso wenig scheinen dort Bestattungen angesehener Menschen gewesen zu sein.

Impliziert das einen egalitäreren Ansatz der Kommune bei Bestattungen in dieser Grabstätte? Wurden die Siedlungen in dieser Gegend in großen Familiengruppen organisiert, sodass Rang oder Status im Rahmen von Bestattungen keine wichtige Rolle spielten? Oder lag der Grund für die Betonung von Gemeinschaft in diesen Bestattungen in dem Versuch, wie manche argumentieren, die wahren Unterschiede in Status und Ranghöhe zu vertuschen, die selbst in diesen kleinen Gemeinden bestanden?

Heute gibt es einen Meinungstrend, der argumentiert, dass es nach der ersten Zerstörung des Palastes von Phaistos eine Art Krise gab, weil die Pläne, diesen mit einem neuen Palast in MM II zu ersetzen, gescheitert waren und damit die Macht von Phaistos nach Agia Triada verlagert wurde.. Die Schwächung der Macht von Phaistos könnte dann den kleineren Gemeinden, wie beispielsweise die von Kamilari, ermöglicht haben, autonomer zu werden. Diese politische Fragmentierung könnte erklären, warum die Entwicklung neuer Bestattungspraktiken, wie sie auch anderswo stattfand, nicht geglückt ist.

Obwohl die Grabstätte umzäunt ist, ist das Tor unverschlossen, sodass es möglich ist, die Stätte zu betreten. Auch Kamilari ist und bleibt ein beeindruckender Ort und ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall! Zudem sind die Aussichten auf die umgebenden Landschaften wirklich spektakulär!

(source: minoancrete.com)