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Der Palast von Phaistos

Der Palast von Phaistos ist einer der wichtigsten Minoischen Paläste und mit etwa 18.000 m² der zweitgrößte nach Knossos. Phaistos liegt im westlichen Teil der großen, fruchtbaren Messara Ebene auf einem Hügel, von dem aus der König damals gleichzeitig das Land als auch die Küste mit ihren Häfen (Komos und Matala) kontrollieren konnte.

In der Messara Ebene kann man heute die Ruinen des zweitgrößten historischen Palastes, dem Palast von Phaistos, besichtigen. Zwar ist er kleiner als das mythische Palast von Knossos, aber immer noch groß genug, um jeden Besucher zu beeindrucken. Dank der Lage auf dem östlichen Hang vom Berg Kastri hat man dort eine perfekte Aussicht auf das weite Tal der Messara und die Bergkette inklusive Kretas höchstem Berg, dem Psiloritis. Oft weht hier eine leichte Brise, was es auch im Hochsommer recht angenehm macht, diese archäologische Stätte zu besuchen.

Es wird angenommen, dass der Palast von Phaistos ein Zentrum für Verwaltung, Produktion und Handel war, in dem Waren für inländischen und ausländischen Handel, sowie für religiöse Kulte gelagert wurden. . Die großen Gebäude und viele der gefundenen Töpferwaren deuten definitiv auf großen Wohlstand hin.

In alten Zeiten regierte Phaistos diese Gegend Kretas und hatte seinen eigenen Hafen nähe Kommos am Libyschen Meer. Wenn man dort ist und die Ausgrabungen besichtigt, fallen vor allem die gewaltige Treppe auf, die den Eingang zum Palast darstellte, sowie der riesige geflieste Innenhof, von dem aus man perfekte Aussicht auf den Psiloritis Berg hat. In den Lagerräumen fand man riesige Lehmtöpfe – pitos- , in welchen Öl gelagert wurde.

Palast von Phaistos

Phaistos war eines der wichtigsten Zentren der Minoischen Zivilisation, und gleichzeitig die größte und wohlhabendste Stadt in Südkreta

Der Palast von Phaistos wurde 1900 von Federico Halbherr, einem Italienischen Archäologen, entdeckt, der ein Freund und Berater von Sir Arthur Evans war. Halbherr begann seine Ausgrabungsarbeiten in Phaistos noch bevor Evans seine in Knossos begann. Dank ihm wurden die bekannten Tafeln mit dem geschriebenen Gesetz gefunden wurden. Heute können sie in Gortyna und in Agia Triada besichtigt werden, wo eine Gedenktafel für den italienischen Entdecker errichtet wurde.

Was wir heute in Phaistos sehen können, sind hauptsächlich die Ruinen des zweiten Palastes, die auf den Überresten des ersten Palastes gebaut wurden. Der erste Palast wurde ca. 1900 vor Christus erbaut, aber durch ein Erdbeben 200 Jahre später fast vollständig zerstört. Heute ist es für Archäologen extrem schwierig, die Bilder von beiden Palästen zu rekonstruieren, da sich ihre Ruinen überlagern. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass ist während der 200-jährigen Herrschaftszeit mehrere Rekonstruktions- und Renovierungsversuche des ersten Palastes gab.

Zum Glück haben die Baumeister des zweiten Palastes die Überreste des ersten Palastes nicht zerstört, denn hier gab es zahlreiche sehr wertvolle Funde: einen mysteriösen und noch immer unentziffertes Diskos, viele Siegel, sowie Tontafeln mit Schriften. Der zweite Palast hingegen enthielt kaum bis keine Artefakte, die die Archäologen überrascht hätten. Der Grund dafür mag in seiner geschwächten Rolle und Wichtigkeit liegen.

Nach der Zerstörung der Stadt Phaistos erholte sie sich, prägte ihre eigenen Münzen und blühte weiterhin für die nächsten paar Jahrhunderte, bis etwa zum ersten Jahrhundert vor Christus, wo sie vom benachbarten Gortyna zerstört wurde.

Der berühmte Diskos von Phaistos ist eines der größten Mysterien der Archäologie. Bisher konnte weder seine Herkunft, noch die Bedeutung seiner Inschrift bestimmt werden. Es gibt zahlreiche Spekulationen und Versuche, ihn zu entziffern. Die Hoffnung liegt darin, dass zukünftige weitere Ausgrabungen eventuell mehr Dokumente ähnlicher Natur zum Vorschein bringen und das Geheimnis doch noch gelüftet werden kann.
 

AKTUELLER WISSENSSTAND

Der Diskos von Phaistos besteht aus gebranntem Ton und hat einen Durchmesser von etwa 15 Zentimeter. Er wurde am 3. Juli 1908 während Ausgrabungsarbeiten am Minoischen Palast von Phaistos, näher der Südküste Kretas, gefunden. Die Ausgrabungen, durchgeführt von Italienischen Archäologen, wurden angeführt von Luigi Pernier. Luigi Pernier war jedoch nicht vor Ort, als der Diskos gefunden wurde. Der Diskos zählt zu den bekanntesten Fundstücken der Bronzezeit und zu den größten Mysterien der Mittelmeerarchäologie. Beide Seiten des Diskos sind mit insgesamt 241 kreis- und spiralförmig angeordneten Abstrakta, Menschen- und Tiermotiven sowie Gerätschaften und Pflanzenmotiven bestempelt. Es handelt sich um ausgeklügelte Herstellungstechnik, was im Gegensatz zu der Einzigartigkeit des Fundes steht. Die Nutzung von wiederverwendbaren Stempeln macht nur Sinn, wenn diese auch mehrfach oder sogar regelmäßig verwendet werden. Im Grunde ist alles rund um den Diskos kontrovers, sogar die Ausrichtung der Schrift und die verwendete Sprache.


ANNAHMEN

Angesehene Gelehrte und Wissenschaftler vermeiden kontroverse Fragen, die bereits von zu vielen Amateueren behandelt wurden, in der Regel. Es gibt kaum ein berüchtigteres Thema als das des Phaistos Diskos, da es so viele Entzifferungsversuche gab.

Die holländischen Linguisten Jan Best und Fred Woudhuizen sind unabhängig voneinander in den letzten paar Jahrzehnten zu ähnlichen Schlussfolgerungen gekommen, die die hier auf der Webseite beschriebene Theorie bestätigen zu scheinen. Eine davon ist eine der bedeutendsten Entzifferungen des Phaistos Diskos. Die epigraphische Untersuchung des Teams zeigt, dass die Schreibrichtung von außen nach innen ist und dass die Seite A zuerst beschrieben wurde. Basierend auf dem Kontext des Fundes wurde das Datum der Herstellung des Diskos auf 1350 vor Christus geschätzt.

In ihrer ausführlichen Forschung zur Linearschrift B fand die Amerikanische Linguistin Alice Kober, dass bestimmte Buchstaben in der gleichen Reihenfolge wieder und wieder auftauchten und dass jede Sequenz mit unterschiedlichen, wechselnden Buchstaben beendet wurde. Kober nahm an, dass in Linear B die gleichen Sequenzen so etwas wie den Stamm eines Verbs oder Nomens darstellen und dass es dich bei den letzten Buchstaben um Fallendungen oder Flexionen handelt. Kurz nach Kober’s Tod übernahm der Britische Architekt Michael Ventris die weitere Entzifferung von Linear B.

Der Diskos von Phaistos enthält ebenfalls diese fixen Sequenzen mit unterschiedlichen Endungen, ebenso wie die Luwische Hieroglyphenschrift. Von den insgesamt 47 verschiedenen Buchstaben auf dem Dikos können 29 in Zusammenhang mit Luwischen Hieroglyphen gebracht werden. Die Ähnlichkeiten gehen sogar so weit, dass ganze Worte vom Diskos sofort in Luwisch gelesen werden können, darunter a-su-wi-ya (B11) für „Aššuwa“. Best und Woudhuizen, zogen deshalb die Schlussfolgerung, dass die Inschrift auf dem Diskos gar nicht so ungewöhnlich ist, sondern vielmehr eine örtliche Variante der Luwischen Hieroglyphenschrift darstellt. Wenn man all das in Betracht zieht, wird der Text doch vollständig lesbar.

Gemäß dieser Interpretation kann man ein paar Erwähnungen entziffern, die noch heute den gleichen Namen tragen: Messara, Phaistos, Lasithi und Knossos. Auch andere geographische Namen, die vom späten Bronzezeitalter bekannt sind, erscheinen ebenfalls, darunter Achaea, Arzawa und Aššuwa. Manche andere Wörter lassen sich auch in Akkadischen, Linear B oder Texten mit Ägyptischen Hieroglyphen wiederfinden. Zwei persönliche Namen erschienen mehr als 500 Jahre später in Homer in einem ähnlichen Kontext: Nestor (Herrscher von Pylos) und Idomeneos (in der Griechischen Mythologie ein König von Kreta).

Nicht nur die Schrift an sich, sondern auch die Sprache ähnelt dem Luwischen stark. Wenn die oben genannte Interpretation richtigt ist, scheint es sich bei dem Text auf dem Diskos um eine Feststellung von Eigentumsrechten am Ort Rhytion bei Pyrgos in der Messara zu handeln: Der Griechische König Nestor hat ein Fürstentum auf Kreta, das auch Knossos und Teile der Ebene von Lasithi und der Messara, einschließt. Im Namen von König Nestor regiert Idomeneus von seinem Hof in Knossos als Vizekönig von Lasithi und als Gouverneur der Messara. Seine Einflusssphäre schließt die lokalen kleinen Könige Kuneus für Phaistos und Uwas für die Hinterländer von Phaistos ein. Uwas befindet sich im Streit mit einem anderen Vasallenkönig über die Herrschaft über Rhytion und will, dass Nestor eine Entscheidung diesbezüglich traf. Nestor kontaktiert scheinbar den Großen König von Arzawa, vermutlich einer der wichtigsten Luwischen Staaten. Der König von Arzawa sagt Kuneus, er möge Uwas über sein Recht, zu herrschen, informieren.

Demnach ist der Diskos von Phaistos eine Kopie, die bei Kuneus in Phaistos bleiben sollte. Uwas, sollte ebenfalls eine Kopie erhalten haben. Die Herstellung mehrerer Kopien könnte die Verwendung von Stempeln erklären. Wenn diese Theorie stimmt, wurde der Diskos vermutlich am Hofe des Königs von Arzawa hergestellt, was in Apaša nähe Ephesus, der Hautpstadt des bronzezeitlichen Königreichs Arzawa war. Beschrieben wurde der Diskos im lokalen Dialekt, der im Luwischen Teil Kretas gesprochen wurde. Demnach hatten die Luwier großen Einfluss auf Kreta, bevor die Mykener die Macht über die Insel ergriffen. Gemäß dieser Hypothese gehörten Teile Kretas sogar zum Aššuwa Staatenbund, ein Bündnis kleiner Luwischer Staaten.

Zukünftige Ausgrabungen in Apaša, der früheren Hauptstadt von Arzawa, könnten gegebenenfalls weitere Dokumente zum Vorschein bringen, die einen ähnlichen Stil wie der Diskos von Phaistos aufweisen.

LITERATURHINWEISE

Achterberg, Winfried et al. (2004): The Phaistos disc: A Luwian letter to Nestor. Dutch Archaeological and Historical Society, Amsterdam, 1-135.
Best, Jan G. P. & Fred Woudhuizen (1988): Ancient scripts from Crete and Cyprus. Publications of the Henri Frankfort Foundation, Brill, Leiden, New York, 1-131.
Mellink, Machteld (1964): “Lycian Wooden Huts and Sign 24 on the Phaistos Disk”. Kadmos 3, 1-7.
Rietveld, Lia (2004): “The Text”. In: The Phaistos disc: A Luwian letter to Nestor. Winfried Achterberg et al. (Hg.), Dutch Archaeological and Historical Society, Amsterdam, 85-95